Sonntag, 15. Oktober 2017

Mein Endspurt in Ruanda

Ich kann es selbst kaum glauben, aber es werden gleich zwei Monate sein, seit ich zurück in Deutschland bin. Die letzten Momente in Ruanda sowie die Rückkehr nach Europa waren voll von Eindrücken und Emotionen. Erst jetzt, wenn ich einen gewissen Abstand gewinne, bin ich in der Lage, den abschließenden Blogeintrag zu verfassen.
Die Zeit verging wahnsinnig rasch. Im August wusste ich, dass mein Aufenthalt in Ruanda zur Neige gehen und mir nicht so viel Zeit übrig bleiben würde. Deshalb wollte ich die letzten Tage genießen. Ich war jeden Tag vom frühen Morgen bis zum späten Abend beschäftigt. Es war teilweise stressig, anstrengend und traurig, aber zugleich unvergesslich toll.

Ich versuchte, möglichst viel Zeit mit den Kindern im Zentrum zu verbringen und ihnen noch ein paar unvergessliche Erlebnisse zu bereiten. Dabei halfen mir einige Menschen. Ihnen allen möchte ich hiermit meinen innigen Dank ausdrücken.

In der letzten Woche konnte ich mit der großen Unterstützung von Rita und Hubert, dem Lehrer Murere und den Mamas den lang geplanten Ausflug in das Stadtzentrum realisieren. Rita und Hubert halfen freudestrahlend, die Rollstühle zu schieben, sodass mehrere Kinder an dem Ausflug teilnehmen konnten. In der Stadt besuchten wir ein Restaurant, wo sie uns zum afrikanischen Tee mit leckerem Gebäck einluden. Herzlichen Dank Rita und Hubert! Eine große Anerkennung gebührt auch der Besitzerin und den Angestellten des Restaurants, die uns vorurteilsfrei und geduldig bedienten. Den Ausflug genossen wir alle.
 Auf dem Weg in die Stadt


Dank Lea, Sophia, den ehemaligen Frewilligen in Ngarama und Rita und Hubert konnten wir nicht alltägliche Aktivitäten, wie Malen mit Straßenkreiden, Ausmalen mit den neuen Stiften oder Schminken mit Gesichstfarben ins Programm aufnehmen. Ich versuchte auch, ein hausgemachtes Seifenblasenröhrchen herzustellen. 
 Malen mit Straßenmalkreiden


Seifenblasenröhrchen selbstgemacht!

Schminken mit Gesichtsfarben macht Spaß!


 Schaut her, ich bin ein Löwe!

 
Pascal und ich stellten fest, dass unsere Zungen gleich rosa sind, obwohl sich unsere Hautfarben unterscheiden. 

Zu erwähnen ist auch der vom Lehrer toll vorbereitete Ferienkurs für die Mamas. Sie wurden über verschiedene Behinderungen und die Möglichkeiten des Zugangs zu den Kindern informiert.

Am Sonntag, den 27.08., verabschiedete ich mich von Wikwiheba Mwana. Am draufkommenden Montag von Ngarama und am Dienstag fuhr ich nach Kigali, um dort am Mittwochabend ins Flugzeug nach Europa einzusteigen.
Auf dem Abschiedsfest

Der sechsmonatige Aufenthalt in Ruanda brachte mir viel bei. Ich hoffe, dass unsere leistungsorientierte Gesellschaft dies nicht kaputtmacht. Ich werde mich auf jeden Fall bemühen, dies zu behalten. Beispielsweise ist es sehr bewundernswert, wie die dortigen Menschen glücklich, demütig und freigebig sein können, obwohl sie so wenig in unseren Augen besitzen. Es gäbe noch mehr zum Erzählen. Falls jemand mehr daran interessiert ist, kann man mich gern kontaktieren. Ich vermisse das Land der tausend Hügel, die einzigartige Kultur und alle meinen Freunde sehr. Zum Schluss sage ich daher kein Tschüss, sondern bis bald! Murabeho!

Dienstag, 8. August 2017

Umuganda und Wahlen in Ruanda



Am 29.07. nahm ich an Umuganda teil. Umuganda ist eine für Ruanda typische Veranstaltung, die jeden letzten Samstag im Monat stattfindet. Am Vormittag wird nicht gearbeitet - alle Geschäfte haben zu, es findet kein Markt statt usw. Die Einheimischen treffen sich, um zusammen für ihr Land zu arbeiten. Sie reparieren z.B. Straßen oder räumen auf. 
 
Wir gingen zu dem Treffpunkt, wo wir auf die Hinweise von Umudugudu ("Bürgermeister" des kleinsten Verwaltungsgebietes) warteten. Die Aufgabe für diesen Umuganda war ein Tor zu bauen, das Menschen  den Weg in die Grundschule zeigt, wo am Freitag, dem 04.08., die Wahlen des neuen Präsidenten stattfinden.
  Umuganda - Wir reinigen die Straßen!
 
Umudugudu  (Der Bürgermeister) im blauen T-Shirt teilt uns die heutige Aufgaben mit 

Wir bauen ein Tor! 

 Es geht schnell voran! 
 Das Tor ist fertig!

Zuerst warteten wir ewig lang auf das notwendige Material und putzten inzwischen dir Straßen rund um das Tor. Nach dem Sammeln des nötigen Materials ging alles sehr schnell. In einer Stunde ragte das Tor stolz empor. Nach der Arbeit gab es noch eine kleine Konferenz, in der uns Helfern gedankt wurde. Schließlich gingen wir Heim (einige Männer gingen noch das Bananenbier trinken ;)). 
 
Am 04.08. fanden Wählen statt. Dieses Ereignis bewegte Ruanda bereits mehrere Wochen. An einem Samstag vor ungefähr drei, vier Wochen gab es in Ngarama eine große Veranstaltung zu den Wahlen, an die viele Leute aus verschiedenen Richtungen kamen. Sie rannten mit Flaggen und Plakaten und riefen den Namen des jetzigen, sehr beliebten Präsidenten und starken Kandidaten Paul Kagame.  Die Luft war voll von Emotionen und einer gewissen Spannung. Es war sehr beeindruckend, dies mitzuerleben.

 Veranstaltung zu den Wahlen
  Veranstaltung zu den Wahlen in Ngarama

Zum ersten Mal gibt es Schulzeugnisse im Centrum Wikwiheba Mwana!

Am Freitag, den 28.07., wurden schließlich die Zeugnisse übergeben – zum ersten Mal in Wikwiheba Mwana. Es fand eine kleine Zeremonie statt. Am Anfang hielt Mama Kiki eine Rede, im Anschluss daran teilte der Lehrer die Ergebnisse mit. 
 Rede von Mama Kiki zur Zeugnisverteilung

Danach wurden die Zeugnisse den Kindern übergeben. Jedes Kind bekam dazu noch eine kleine Süßigkeit. Abschließend wurde gesungen und getanzt. Die Zeugnisse sind von großer Bedeutung. Einerseits kann man damit zeigen, dass die Kinder ausgebildet werden, andererseits stellen sie den Wissensstand dieser dar. Wenn Kinder in ein anderes Zentrum umziehen oder in die inklusive Schule eintreten, können sie die Zeugnisse gebrauchen.

Eindürcke von unserer Zeugnisverleihung: 






Jetzt haben die Kinder zwei Wochen Ferien, in denen ich die Gestaltung des Programms den Kindern überlasse. Am liebsten spielen sie mit dem Ball, malen aus und hören Musik. Ein großes Dankeschön an Kathi, die ehemalige INGEAR-Projektkoordinatorin des Wikwiheba Mwana Centrums, die uns die schönen Mandala Bilder geschenkt hat! Wir freuen uns sehr darüber.

 Ferienprogramm - Fühlspiele
 Ferienprogramm
 Mandalagestalten
 Mandalagestalten
 Mandala - Schaut wie schön es geworden ist!

Viele Grüße
Eure Marie 

Neuigkeiten im Schulalltag im Centrum Wikwiheba Mwana



In dem neuen Blogeintrag möchte ich von den Highlights der letzten Wochen aus der Arbeit im Zentrum sowie aus Ruanda berichten.

 Wir musiziern zusammen

Nach der Erholung in Uganda kehrte ich mit dem neuen Schwung an die Arbeit zurück. In den ersten Tagen stellte ich fest, was die Kinder während meines Urlaubs in der Schule und in der Freizeit gemacht hatten und auch wie viel aus dem bereits besprochenen Stoff sie vergessen hatten. Ich wiederholte mit ihnen die wesentlichen Punkte und bereitete neue Themen vor. Dabei bemühte ich mich um ein möglichst abwechslungsreiches und buntes Programm. Wir bemalten beispielsweise Steine oder spielten Gitarre. Ganz beliebt wurde Bowling, zu dem ich anfangs erst die Kinder motivieren musste. Jetzt muss es mindestens einmal in der Woche gespielt werden :D.

Bowling Spielen 
 
Da wir ein paar Biologie Stunden hatten, in denen wir über die Natur - hauptsächlich Pflanzen, ihre Wichtigkeit, die verschiedenen Arten und das Leben einer Pflanze - sprachen, stellten wir gemeinsam einen kleinen Schulgarten her, um die Theorie mit der Praxis zu verbinden. Wir säten Schnittlauch, dessen Samen ich im Freiwilligenhaus fand. Ich dachte, wir könnten diesen später mit Brot essen. Das wird wohl nichts werden, da der Garten entweder wie Sahara oder Lake Kivu aussieht. ;) So gingen zwei Pflanzen ein, aber das macht nichts. Es bereitete trotzdem große Freude und Neugier, was das allerwichtigste ist.

Unser Bioprojekt - Wir säen Schnittlauch! 



An einem Tag färbten wir Nudeln. Wie auch bei anderen Tätigkeiten, musste ich die Kinder dazu zuerst motivieren. In diesem Fall muss ich allerdings zugeben, dass das Projekt von mir nicht so sensibel geplant war. Nudeln sind für viele hiesige Leute unerschwinglich. Man sagt sogar, dass sie das Fleisch der Armen sind. Die Kinder wollten zunächst nicht mitmachen, da für sie Nudeln zum Essen und nicht zum Färben sind. Schlussendlich hatten sie Spaß daran und dachten sich eine schöne Dekoration für das Klassenzimmer aus, an der sich alle beteiligten.

Wir basteln eine Nudelkette! 



Neben den verschiedenen Aktivitäten ereigneten sich auch einige meiner Ansicht nach wesentlichen Änderungen. Nicht nur, dass das Klassenzimmer jetzt über einen neuen großen runden Tisch und Stühle verfügt, sodass alle ältere Schüler am Tisch sitzen und den Unterricht bequem verfolgen können, sondern es wurde auch eine Art Kindergarten eingeführt. Es handelt sich um ein neues Zimmer, in dem die kleinen Kinder betreut werden. Das Niveau der Betreuung muss zwar noch verbessert werden. Aber die Einführung dessen ist eine große Erleichterung für die älteren Kinder und den Lehrer.

Examen - das Hauptthema des Julis für alle Schüler und Studenten, weil am Ende dieses Monats das zweite Trimester zu Ende ist. Auch wir beschlossen, im Zentrum Examen durchzuführen. Obwohl es sich bei der im Zentrum befindenden Schule um eine private spezielle Schule handelt, ist der Unterricht ernst gemeint. Dazu zählen auch Examen und Zeugnisse. Die Kinder freuten sich wahnsinnig auf beides und konnten es nicht erwarten. Auf dem Programm stand eine Wiederholungswoche und zwei Examenwochen. Es war notwendig, die an die Prüfungen teilnehmenden Kinder nach ihrem Wissensstand in Gruppen aufzuteilen. Am Ende hatten wir zwei Gruppen auf dem Niveau der Nursery school und zwei Grundschulgruppen. 

 Englisch Examen
 Ergebnis der Kunstprüfung 
 Sportexamen

 Sportexamen 
 Sportexamen


Viele Grüße 
Eure Marie